Das britische Label Second Sight wird am 4. Mai 2009 Max Ophüls’ “Lola Montez / Lola Montès” [BRD / F 1955] auf DVD veröffentlichen. Mehr dazu nach einigen Worten zu den verschiedenen Fassungen des Films:
In gleich drei Sprachversionen drehte Max Ophüls seinen einzigen Farb- und CinemaScope-Film: in Französisch, Deutsch und Englisch, wobei letztere Fassung nie zur Aufführung kam. Ophüls experimentierte nicht nur im Bereich der Bild- und Farbgestaltung, sondern auch beim Ton, denn in den Premierenfassungen beließ er mehrfach fremdsprachige Anteile, die zum Teil untertitelt wurden. Bei der Tonmischung kam es ihm weniger auf Verständlichkeit, sondern auf ein realistisches Tonbild an. Worte und ganze Sätze wurden durch Geräusche und Musik überlagert, ein Konzept, das von der Kritik und auch vom Publikum vehement abgelehnt wurde. So kam es, daß Ophüls nach den Premieren (Frankreich: 22.12.1955 in Paris; Deutschland: 12.01.1956 in München) den Film umschneiden mußte. Die fremdsprachigen Passagen wurden synchronisiert, die Untertitel entfernt und der Ton auf Verständlichkeit hin neu abgemischt. Hatte die französische Premierenfassung eine Länge von 3117 Metern / 113:56 Min., waren es bei der zweiten Fassung nur noch 3009 Meter / 110 Min. (Premiere: 20.01.1956 in Paris). Die deutsche Premierenfassung wurde von 3158 Meter / 115:25 Min. auf 3093 Meter / 113:03 Min. (Premiere: 09.02.1956 in Berlin) heruntergeschnitten. Am 21. Januar 1957, also kurz vor Ophüls Tod, “feierte” gar eine dritte französische Fassung in Toulouse Premiere, die nur noch eine Länge von 2510 Metern / 91 Min. hatte. In dieser Fassung wurden ganze Passagen herausgenommen und die Rückblendenstruktur durch eine chronologische ersetzt. Eine dritte deutsche und ebenfalls chronologische Fassung - “Lola Montez - Die Tänzerin des Königs” - mit 2795 Metern / 102 Min. wurde am 03.12.1957 in Frankfurt am Main in einer Presse-Vorführung gezeigt. 1957 und 1959 kam der Film in Großbritannien (2468 Meter / 90 Min.) bzw. in den USA (2080 Meter / 75 Min.) in sehr stark gekürzten Fassungen in die Kinos.
1967 wurde der Film in Deutschland wieder in die Kinos gebracht, 1968 in Frankreich. Gezeigt wurden jedoch nicht die Premierenfassungen, sondern die zweiten Schnittfassungen, die von Dup-Negativen gezogen wurden. Während die Premierenfassungen mit 4-Kanal-Magnetton und einem Bildformat von 2.55:1 aufgeführt wurden, besaßen die neuen Kopien ein Format von 2.35:1. CinemaScope startete 1953 mit dem 2.55:1-Format, kleineren Perforationslöchern der Filmprints und den platzsparenden Magnettonspuren. 1957/58 wurde auf Lichtton umgestellt, die Perforationslöcher erhielten wieder die normale Größe und das Bildformat änderte sich daher auf 2.35:1. Mit letzterem Format wurden auch die neuen Kopien von “Lola Montez” gezogen, was dazu führte, daß am linken Bildrand Bildinformationen fehlten. Außerdem waren die Kopien nicht farbstabil, sie wurden rot- oder blaustichig. Trotz dieser Probleme, der leichten Kürzungen und des veränderten Tonkonzepts wurde Ophüls’ Film erstmals als Meisterwerk anerkannt.
Das Münchener Filmmuseum besitzt die einzige erhaltene 4-Kanal-Magnetton-Kopie der zweiten deutschen Fassung im originalen 2.55:1-Format. Ebenfalls erhalten ist die französische Premierenfassung in der Cinématheque Royale de Belgique. Von beiden Sprachfassungen existieren Vorführkopien der jeweiligen zweiten Schnittfassung, außerdem ein Dup-Negativ der zweiten französischen Version. Original-Negative liegen nur noch für die chronologischen deutschen und französischen Fassungen vor.
1997 begann das Münchener Filmmuseum damit, die deutsche Premierenfassung zu rekonstruieren. Dabei wurde auf sieben verschiedene Ausgangsmaterialien mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 500 Minuten zurückgegriffen. Eine genaue Rekonstruktion der deutschen Premierenfassung war jedoch nicht möglich, da die herausgeschnittenen Szenen nicht mehr auffindbar waren. Diese Fehlstellen wurden mit den entsprechenden Szenen der französischen Premierenfassung aufgefüllt, wobei der Schnitt unter Zuhilfenahme des Drehbuchs erfolgte.
Die Rekonstruktion erfolgte auf digitalem Wege und stellte somit die erste digitale Filmrestaurierung in Deutschland dar. Das komplette Ausgangsmaterial wurde in 1920×1080 eingescannt, was zu einer Datenmenge von mehr als vier Terabyte führte. Nach dem Schnitt erfolgte die Farbkorrektur und die Bildrestaurierung. Der Ton wurde von den 4-Kanal-Magnettonspuren abgetastet, ebenfalls geschnitten, restauriert und neu gemischt, wobei Ophüls angestrebtes Tonkonzept unter Zuhilfenahme der erhaltenen französischen Premierenfassung rekonstruiert wurde. Anschließend wurden neue Vorführkopien mit Dolby Digital-Ton erstellt. Diese Kopien weisen wieder das originale 2.55:1-Format auf, wobei dieses etwas verkleinert in die schmalere 2.35:1-Kadrage heutiger Prints eingefügt wurde.
So weit so gut … wenn da nicht Max Ophüls Sohn Marcel wäre, der sich gegen diese Rekonstruktion der deutschen Premierenfassung ausspricht. 2008 präsentierte er in Cannes seine eigene Restaurierung der französischen Fassung, die dem Aufbau der deutschen Rekonstruktion ähnlich sein soll. Allerdings is mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, ob die französische Premierenfassung mit der mehrsprachigen Tonmischung restauriert wurde, oder aber ob die kürzere zweite französische Fassung handelt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die von Marcel Ophüls restaurierte Fassung nun auch auf DVD vorliegen.
The story of the legendary courtesan is told in flashback as Lola spends her last years performing in a circus presided over by a domineering ringmaster (Peter Ustinov) and reliving the events and loves of her life, with among others, Liszt and the King of Bavaria. Ophul’s breathtaking mastery of mise en scène has never been more in evidence than here in his first and only film to use colour and widescreen.
DVD Extras
- Documentary on the Making of the Lola Montes
- Commentary by Susan White, author of ‘The Cinema of Max Ophuls’

12. Mai, 2009
14:48 Uhr
Der Veröffentlichungstermin für “Lola Montez” hat sich allem Anschein nach auf den 6. Juli 2009 verschoben.
7. Juli, 2009
22:23 Uhr
Die DVD ist heute bei mir eingetroffen und macht gar keinen guten Eindruck. Die Untertitel sind fest eingebrannt und irgendwie hat die dadurch erforderliche nachträgliche Kompression das Bild etwas angegriffen. Für eine DVD von 1999 wär das noch OK, heute ist es einfach dilettantisch. Ich rate ab.
8. Juli, 2009
01:34 Uhr
Dann ist ja gut, daß ich sie nicht bestellt hatte. Der Grund dafür war aber eigentlich, daß eben nur die Marcel Ophüls-Fassung enthalten ist. Wenn die Quali noch nicht mal stimmt, ist’s wohl gar kein Verlust. Außerdem schreit dieser Film nach einer Blu-ray.
9. Juli, 2009
10:34 Uhr
Einen “Lola Montez”-Screenshot-Vergleich der Image Entertainment-DVD mit der neuen von Second Sight gibt’s bei DVDBeaver.
5. September, 2009
12:49 Uhr
[...] Max Ophüls] handeln könnte. Der Film ist in Großbritannien im Juli 2009 erschienen (hier mehr Infos, auch zu den verschiedenen Schnittfassungen) und soll am 20. Oktober 2009 in Frankreich [...]
15. November, 2009
14:46 Uhr
[...] Das DVD- und Blu-ray Programm von Criterion für Februar 2010 wurde bekannt gegeben. Unter den Filmen befindet sich auch Max Ophüls “Lola Montez / Lola Montès” [F / BRD 1955], der in der von Marcel Ophüls neu restaurierten französischen Sprachfassung präsentiert wird. Die vom Münchner Filmmuseum rekonstruierte deutsche Premierenfassung wird leider nicht mit auf der DVD/Blu-ray enthalten sein, da Marcel Ophüls sich gegen die deutsche Fassung ausgesprochen hat. Mehr zu den verschiedenen Schnitt- und Tonfassungen hatte ich bereits im Februar geschrieben. [...]
23. Februar, 2010
10:01 Uhr
Was is bitte nu Sache? Ist die Version von 2009 von Lola Montes(z) ein Farbfilm oder ein Schwarz-Weiß-Film. Der Lieferant von Amazon schrieb mir, er sei Black&White…..ich habe dann storniert.
Vielen Dank für eine Klarstellung. Wenn es ein Farbfilm ist wäre ich für eine Bezugsquelle dankbar.
Manfred
23. Februar, 2010
10:17 Uhr
Bei “Lola Montez” handelt es sich natürlich um einen Farbfilm, Ophüls einzigem übrigens. Wenn Du die britische DVD irgendwo findest, dann kauf sie auch (z.B. bei amazon.co.uk). Der Film wird in Farbe enthalten sein. Wenn Du jedoch einen codefreien DVD-Player besitzt, dann wäre die amerikanischen DVD von Criterion die bessere Wahl. Die bieten den Film auch auf Blu-ray an. Diese besitzt jedoch den Regionalcode “A”.