Luis Bunuels Das Gespenst der Freiheit heute Abend beim rbb

Beim rbb ist heute Abend um 22:50 Uhr Luis Bunuels “Das Gespenst der Freiheit / Le fantôme de la liberté” [F / I 1974] zu sehen:

“Vivan las cadenas! Es leben die Ketten! Nieder mit der Freiheit!” Der Ruf der Guerilleros vor dem Hinrichtungskommando ist das hintergründig-ironische Motto für ein Puzzle, zu dem der spanische Altmeister Buñuel Bilder einer verkehrten Welt zusammenfügt.

Das Absurde erscheint dabei normal, das Normale absurd. Eine durchgehende Handlung gibt es nicht. Aus dem Spanien des beginnenden 19. Jahrhunderts springt das Filmgeschehen in die Gegenwart. In einem Pariser Park steckt ein Mann einem Mädchen vermeintlich obszöne Fotos zu; als die entrüsteten Eltern diese später betrachten, entpuppen die Bilder sich als Postkarten berühmter Sehenswürdigkeiten. Eine Krankenschwester gerät an Mönche, die um Heiligenbilder pokern. Bei einer Abendgesellschaft lässt man sich gemeinsam auf Klosettschüsseln nieder und disputiert, zum Essen zieht man sich diskret an einen verschwiegenen Ort zurück. Ein Tierfreund massakriert harmlose Passanten, wird zum Tode verurteilt und anschließend sofort in die Freiheit entlassen. Die Polizei fahndet nach einem Mädchen, das nachhaltig seine Anwesenheit beteuert; ein Polizeipräfekt muss sich als Grabschänder festnehmen und seinem Standesebenbild vorführen lassen.


Ähnlich wie in “Der diskrete Charme der Bourgeoisie” richtet Buñuel auch hier seinen sarkastischen Witz gegen die bürgerliche Welt und deren zwanghafte Abläufe, die er erschreckend und komisch zugleich parodiert, indem er Gesetze, Sitten und Gebräuche auf den Kopf stellt und verspottet. Dabei treibt er die aufgebrochene Erzählweise noch weiter, nur Nebenfiguren schaffen so etwas wie lockere Verbindungen zwischen den einzelnen Episoden.
Ansonsten steckt der Film voller düsterer Symbole, boshafter Anspielungen, beunruhigender Rätsel. Buñuel nähert sich damit wieder seinen surrealistischen Anfängen, vielleicht ohne den früheren Schockeffekt, aber noch irritierend und provozierend genug. Als Darsteller glänzen u. a. Jean-Claude Brialy (“Claires Knie”), Michel Piccoli (“Themroc”), Jean Rochefort (“Ein Elefant irrt sich gewaltig”) sowie Monica Vitti (“Die rote Wüste”).

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