arte zeigt heute Nacht um 0:25 Uhr Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm “Schloß Vogelöd” [D 1921].
Eine Adelsgesellschaft kommt auf einem Schloss zusammen, da ein geplanter Jagdausflug nicht wie geplant stattfinden kann. Unter ihnen ist auch Graf Oetsch, der Jahre zuvor des Mordes an seinem eigenen Bruder bezichtigt wurde. Durch das Zusammentreffen des Grafen mit der Witwe des Verstorbenen beginnt eine unfreiwillige Aufarbeitung des Verbrechens.
Wie jedes Jahr soll auf Schloss Vogelöd eine große Oktoberjagd stattfinden. Doch strömender Regen lässt die traditionsreiche Veranstaltung ins Wasser fallen. Tödliche Langeweile macht sich unter den Anwesenden breit; da erscheint ein unerwarteter und seltsamer Gast: Graf Johann Oetsch.
Die Gerüchte über ihn verbreiten sich schnell. Angeblich hat Oetsch vor Jahren seinen Bruder erschossen … und die Witwe des Toten, Baronin Safferstätt, wird abends mit ihrem jetzigen Ehemann auf Schloss Vogelöd eintreffen. Oetsch lässt diese Nachricht kalt, er bleibt.
Die Baronin dagegen will sofort wieder abreisen; da erfährt sie, dass ein unbekannter Verwandter ihres ermordeten Mannes ebenfalls erwartet wird.
Es beginnt ein mysteriöses Spiel um Schein und Sein, Wahrheit und Lüge. Wer ist dieser mysteriöse Verwandte? Was weiß er? Und was hat der neue Ehemann der Baronin mit der ganzen Sache zu tun? Personen verschwinden und tauchen plötzlich wieder auf, niemand weiß, was er noch glauben oder denken soll – da fällt ein Schuss.
Drehbuch nach der gleichnamigen Erzählung von Rudolf Stratz
“Schloss Vogelöd” ist ein früher, vor “Nosferatu” entstandener Film von Friedrich Wilhelm Murnau, der neben Fritz Lang und Ernst Lubitsch zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Stummfilms zählt. Murnau, mit bürgerlichem Namen Plumpe (Bielefeld 1988-Santa Barbara 1931), war stark vom Expressionismus beeinflusst und benannte sich sogar nach dem Maler-Ort am Staffelsee, in dem Gabriele Münter, Kandinsky und Jawlensky gewirkt hatten. Aber Murnau fand in seinen Filmen früh zu einer künstlerischen Selbstständigkeit, die sich unter anderem durch eine damals revolutionäre psychologische Kameraführung auszeichnete.
Das Drehbuch schrieb der Autor Carl Mayer, mit dem Murnau seit “Der Bucklige und die Tänzerin” (1920) kongenial zusammenarbeitete. Der an und für sich triviale Stoff stammt aus einem für die “Berliner Illustrierte Zeitung” geschriebenen Kurzroman. Das Cinegraph-Lexikon schreibt zu “Schloss Vogelöd”: “Der Film wird in nur 16 Tagen abgedreht und zeigt Murnaus inzwischen errungene Meisterschaft, Stimmungen von Angst und Grauen filmisch geschickt einzusetzen . ‘Dieser frühe Film bezeigte Murnaus einzigartige Gabe, die Grenzen zwischen Wirklichem und Unwirklichem zu verwischen. Ein Lichthof aus Traum und Ahnung umgab die Wirklichkeit in seinen Filmen, und eine greifbare Gestalt wurde in den Augen der Zuschauer plötzlich zu einer bloßen Erscheinung.’ .”
ARTE zeigt die 2002 vom Bundesarchiv/Filmarchiv und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung rekonstruierte Fassung mit einer Musik des britischen Komponisten und Musiker Neil Brand.

