Heute Abend um 23:35 Uhr zeigt arte den Stummfilm “Die Austernprinzessin” [D 1919] von Ernst Lubitsch. Es handelt sich dabei um die TV-Erstausstrahlung der digital restaurierten Fassung. Laut der Webseite des Senders wird der Film auf arteHD leider nicht in High-Definition gesendet. Auf DVD ist der Film seit 2006 innerhalb der “Ernst Lubitsch Collection” von Transit Film erhältlich.
Der schwerreiche amerikanische Geschäftsmann Quaker hat sein Vermögen mit Meeresfrüchten verdient und ist deshalb überall als “Austernkönig” bekannt. Seine temperamentvolle Tochter, die “Austernprinzessin”, will unbedingt einen europäischen Adeligen ehelichen. So gerät sie an den mittellosen Prinz Nucki, doch der schickt zunächst seinen Diener und Freund Josef vor. In der Annahme, einen echten Prinzen vor sich zu haben, heiratet die ungestüme Millionärstochter den Dienstboten bei der erstbesten Gelegenheit. Damit setzt sie eine turbulente Ereigniskette in Gang, die zu einem Happy End für alle Beteiligten führt.
Ossi, die Tochter des amerikanischen “Austernkönigs” Mr. Quaker, bekommt einen Tobsuchtsanfall, als sie erfährt, dass ihre Freundin sich mit einem feinen Grafen vermählen wird. Ihr Vater beruhigt sie und verspricht ihr, einen europäischen Prinzen käuflich zu erwerben. Er beauftragt einen Heiratsvermittler, den entsprechenden Kandidaten für seine Tochter zu suchen. Am geeignetsten erscheint schließlich Prinz Nucki, der in Wahrheit allerdings mit seinem Freund Josef in ärmlichen Verhältnissen lebt.
Prinz Nucki schickt Josef vor, um in Erfahrung zu bringen, wie die Dame wohl aussieht. Als Josef im Hause des “Austernkönigs” anklopft, weist er sich, aus einer Verlegenheit heraus, als Prinz Nucki aus, und wird von der Austernprinzessin stante pede zum Pfarrer geführt und geheiratet. Aus der Hochzeitsnacht wird allerdings nichts, da sich der ausgehungerte Josef dem Buffet widmet und sich vor lauter schlechtem Gewissen betrinkt.Prinz Nucki landet nach einem Zug durch die Gemeinde frühmorgens völlig betrunken im “Club der Milliardärstöchter zur Rettung Alkoholkranker”, dem die Austernprinzessin vorsteht. Ohne zu zögern lässt sie ihn in ihr Schlafzimmer transportieren, wo er seinen Rausch ausschläft. Inzwischen ist Freund Josef erwacht und begibt sich in das Zimmer der Prinzessin. Dort findet er zu seiner Überraschung seine frisch Angetraute in ebenso trautem Gespräch mit seinem Freund Prinz Nucki vor. Es kommt zur Klärung bezüglich des vertauschten Bräutigams und Ossi bekommt nun – denn so steht es schließlich auch offiziell geschrieben – doch noch ihren langersehnten Prinzen.
Die Stummfilmkomödie “Die Austernprinzessin” von Ernst Lubitsch stellt ein aufwendig choreographiertes, mit Bildwitz und Tempo inszeniertes Lustspiel in vier Akten dar, das mit saftigem Humor das satirische Spiel mit Autoritäten thematisiert.Im Jahr 2005 sicherte das Bundesarchiv den Film anhand eines Nitro-Originalnegativs. Die Murnau-Stiftung sorgte schließlich dafür, dass das Material instand gesetzt wurde; ein Jahr später bereits wurde die digitale Bearbeitung durch die OMNIMAGO GmbH in Ingelheim aufgenommen. Die Musik stammt von dem aus Lettland stammenden Komponisten und Pianisten Aljoscha Zimmermann, der sich durch seine Vertonungen restaurierter Stummfilme (Friedrich Wilhelm Murnaus “Nosferatu” oder Fritz Langs “Metropolis”) einen Namen machte.
In seinem 1984 erschienenen Werk “Lubitsch” schreibt der Filmwissenschaftler und Autor Hans Helmut Prinzler: “‘Die Austernprinzessin’ ist in der Tat stilbildend: ein satirisches Märchen von der kulturellen Verbindung zwischen Europa und Amerika. Filmische Innovationen fallen auf: Timing der Einstellungen, Visualisierung des Dekors, Choreographie der Figuren. Der “Film-Kurier” (22.6.1919) schwärmt: “Das ganze Lustspiel ist elegant und in einer Aufmachung gezeigt, wie nie zuvor in einem deutschen Lustspiel. Es ist ein eleganter Stil in dem Ganzen, der Schwung hat.”
Die Uraufführung des Films fand im Mai 1919 im pompösen Kino U.T. Kurfürstendamm in Berlin statt. ARTE strahlt die digital restaurierte Fassung zum ersten Mal im Fernsehen aus.

