Drei Filme mit Lauren Bacall zu ihrem 85. Geburtstag in der ARD

Morgen, am 16. September 2009, feiert Lauren Bacall ihren 85. Geburtstag. Die ARD gratuliert mit einer dreiteiligen Filmreihe. In der heutigen Nacht vom 15. auf den 16. September startet diese mit dem Klassiker “Haben und Nichthaben / To have and have not” [USA 1944, Howard Hawks], Bacalls erstem Film an der Seite von Humphrey Bogart, den sie ein Jahr später auch heiratete. Weiter geht es direkt im Anschluß mit “Jagd im Nebel / Confidential Agent” [USA 1945, Herman Shumlin], in dem “The Look” neben Charles Boyer und Peter Lorre zu sehen ist. Abgeschlossen wird die kurze Filmreihe in der Nacht vom 16. auf den 17. September mit Lars von Triers “Manderlay” [DK / S / NL / F / BRD / GB 2005], dem zweiten Teil seiner noch nicht vollendeten “Amerika Trilogie”.

16. September 2009 | 1:05 Uhr | ARD
Haben und Nichthaben / To have and have not” [USA 1944, Howard Hawks]

Martinique, im Zweiten Weltkrieg: Das Vichy-Regime kontrolliert die französischen Antilleninseln und verfolgt gaullistische Untergrundkämpfer. Der Amerikaner Harry Morgan, der von der Vermietung seines Kabinenkreuzers an reiche Touristen lebt, verhält sich zwischen den Bürgerkriegsfronten anfangs strikt neutral. Erst das brutale Vorgehen der Polizei gegenüber einer jungen Amerikanerin bringt ihn dazu, einen gut bezahlten Auftrag der Widerstandskämpfer anzunehmen und so doch Partei zu ergreifen.
Howard Hawks’ berühmte freie Filmadaption des gleichnamigen Romans von Ernest Hemingway war der erste gemeinsame Film von Humphrey Bogart und Lauren Bacall. Das Erste zeigt „Haben und Nichthaben” als einen von drei Filmen zum 85. Geburtstag der Schauspielerin.


Im Zweiten Weltkrieg kontrollieren Vertreter des Vichy-Regimes die französische Antilleninsel Martinique und verfolgen Anhänger General de Gaulles. Ausländer werden misstrauisch überwacht; so auch der Amerikaner Harry Morgan (Humphrey Bogart), der seinen Kabinenkreuzer an reiche Touristen zum Fischfang vermietet. Als ihn der Hotelier Gérard (Marcel Dalio), Anführer der Widerstandsbewegung auf der Insel, für eine illegale Fahrt gewinnen will, lehnt Morgan zunächst ab, er will strikt neutral bleiben. Außerdem interessiert er sich momentan mehr für die junge Amerikanerin Marie (Lauren Bacall), die auf Martinique gestrandet ist. Erst als Morgan mit den brutalen Methoden des Polizeichefs Renard (Dan Seymour) konfrontiert wird, nimmt er widerstrebend den Auftrag an, den Widerstandskämpfer Paul de Bursac (Walter Molnar) und dessen Frau Helen (Dolores Moran) von einer Nachbarinsel nach Martinique zu holen. Bei dem waghalsigen Unternehmen kommt es zu einer Schießerei mit einem Patrouillenboot, bei der de Bursac verwundet wird. Als Morgan später zusammen mit Marie und seinem trinkfreudigen Kumpel Eddie (Walter Brennan) Martinique verlassen will, weil ihm der Boden dort zu heiß wird, hält die Polizei Eddie als Geisel fest. Ohne ihn will Morgan sich aber auf keinen Fall absetzen.

In „Haben und Nichthaben” hatte Humphrey Bogart erstmals die für diesen Film von Howard Hawks entdeckte Lauren Bacall zur Partnerin; wie im Film verliebten sich die beiden ineinander und heirateten nach Kriegsende. Die Drehbuchautoren William Faulkner und Jules Furthman machten von Hemingways Romanvorlage nur wenig Gebrauch; deutliche Parallelen gibt es dagegen zu dem vorausgegangenen erfolgreichen „Casablanca”. In „Jagd im Nebel, einer Graham-Greene-Verfilmung, spielt Lauren Bacall an der Seite von Charles Boyer und Peter Lorre. Das Erste zeigt diesen Film unmittelbar im Anschluss.

 
16. September 2009 | 2:45 Uhr | ARD
Jagd im Nebel / Confidential Agent” [USA 1945, Herman Shumlin]

London, 1937. Der Ex-Musiker Luis Denard kämpft im spanischen Bürgerkrieg für die Republikaner. Als Geheimagent versucht er, eine Kohlelieferung der Briten an das faschistische Franco-Regime zu verhindern. Seine vermeintlichen Helfer Mrs. Melandez und Contreras entpuppen sich jedoch als Verräter, und plötzlich wird Denard als Mörder gejagt. Lediglich die burschikose Rose Cullen, Tochter eines Minenbesitzers, glaubt Denard und begibt sich damit selbst in Lebensgefahr.
Charles Boyer, Peter Lorre und die junge Lauren Bacall spielen die Hauptrollen in Herman Shumlins atmosphärisch eindrucksvoller Verfilmung des Graham-Greene-Romans über eine beklemmende Welt des Misstrauens. Das Erste zeigt „Jagd im Nebel” als zweiten von drei Filmen zu Lauren Bacalls 85. Geburtstag.

Der Konzertpianist Luis Denard (Charles Boyer) gab seine Karriere auf, um im Spanischen Bürgerkrieg für die Republikaner zu kämpfen. Nachdem seine Frau und seine Tochter im Krieg starben, ist er verbittert und lebt nur noch für seine politische Mission. Sie führt ihn 1937 als Geheimagent nach London. Dort soll er dem Minenbesitzer Lord Benditch (Holmes Herbert) eine beträchtliche Kohlelieferung abkaufen, um zu verhindern, dass das Franco-Regime diese erwirbt und so kriegsentscheidende Vorteile erringt. Bereits auf der Anreise beschatten ihn Agenten der spanischen Faschisten. Ihr Anführer, der Aristokrat Licata (Victor Francen), will einen Erfolg Denards um jeden Preis verhindern. Denard begegnet auf der Fähre zufällig auch Lord Benditchs eigenwilliger Tochter Rose Cullen (Lauren Bacall). Sie ist von dem scheuen, idealistischen Einzelgänger beeindruckt. In London zieht Denard in die Pension von Mrs. Melandez (Katina Paxinou), seiner Kontaktperson, und trifft dort den ominösen Sprachlehrer Contreras (Peter Lorre). Noch am selben Abend entgeht er auf dem Weg zu Rose, die sich in ihn verliebt hat, nur knapp einem Mordanschlag. Er offenbart ihr seine Mission. Wenig später wird nach Denard gefahndet, da Mrs. Melendez ihn eines Mordes bezichtigte, den sie selbst begangen hat. Denard will die Verräterin und ihre Helfer zum Geständnis zwingen, doch der eingeschüchterte Contreras erleidet einen Herzanfall und die verbitterte Mrs. Melandez vergiftet sich. Jetzt kann nur noch Rose Denard dabei helfen, seine Unschuld zu beweisen und die Lieferung der Kohle an die spanischen Faschisten zu stoppen.

Herman Shumlin gelang eine einfühlsame Verfilmung von Graham Greenes 1939 veröffentlichtem Agententhriller. Im symbolträchtigen Londoner Nebel entfaltet sich eine düstere Welt des Misstrauens und des Verrats. Peter Lorre wurde einmal mehr als zwielichtiger Charakter besetzt, doch er verleiht durch seine schillernde Präsenz auch der Figur des verängstigten Mitläufers Contreras glaubwürdige Züge. Ex-Fotomedell Lauren Bacall ist hier in ihrem zweiten Film zu sehen. Am 16. September beendet Das Erste seine kleine Reihe zu Lauren Bacalls 85. Geburtstag mit Lars von Triers Film „Manderlay”.

 
17. September 2009 | 0:35 Uhr | ARD
Manderlay” [DK / S / NL / F / BRD / GB 2005, Lars von Trier]

Als die Gangstertochter Grace 1933 auf der Plantage Manderlay ankommt, herrscht hier noch die Sklaverei. Mit bewaffneten Männern aus der Schurkenarmee ihres Vaters will Grace diesen Zustand ändern. Doch die Einführung der Demokratie stößt bei den Schwarzen auf wenig Gegenliebe. Nach einer Serie von Rückschlägen ist die alte Ordnung bald wieder hergestellt. Ausgerechnet die Befreierin Grace soll neue Sklavenhalterin werden.
Lauren Bacall, Willem Dafoe und Bryce Dallas Howard spielen die Hauptrollen in Lars von Triers stilistisch brillanter Satire über böse Gutmenschen und einfältige Gerechtigkeitsdefinitionen.

Amerika, 1933. Die junge Gangstertochter Grace (Bryce Dallas Howard) befindet sich mit ihrem Vater (Willem Dafoe) und dessen Bande auf einer Reise durch die Südstaaten, als ihre Autokolonne von einer aufgeregten schwarzen Frau aufgehalten wird. Gegen den Rat ihres pragmatischen Vaters steigt Grace aus und kann gerade noch die Auspeitschung eines Schwarzen verhindern. Empört darüber, dass die seit 70 Jahren offiziell abgeschaffte Sklaverei hier noch immer nicht ausgerottet ist, stellt sie die auf dem Totenbett liegende Plantagenbesitzerin (Lauren Bacall) zur Rede. Doch die greise Dame verspottet Grace und schließt für immer die Augen. Von einigen bewaffneten Männern ihres Vaters beschützt, übernimmt Grace das Kommando und beschließt, die misstrauischen Sklaven in die Freiheit zu führen. Mit großem Enthusiasmus, den die an Unterdrückung gewöhnten Arbeiter nicht teilen, lässt sie das verwahrloste Gut wieder herrichten und die Felder bestellen. Doch eine unerwartete Missernte führt zu einer großen Hungersnot. Die alte Wilma (Mona Hammond) kann die Entbehrung nicht mehr ertragen und verschuldet so den Tod eines Kindes, dessen Nahrung sie stiehlt. Grace muss das über die Missetäterin verhängte Todesurteil vollstrecken. Eine Affäre mit dem stolzen Timothy (Isaach De Bankolé) führt dazu, dass ihr die Kontrolle über Manderlay immer weiter entgleitet. Der weise alte Wilhelm (Danny Glover) erklärt Grace schließlich, dass die Sklaven nicht an der Freiheit interessiert sind. Sie haben Grace als Nachfolgerin ihrer verstorbenen „Mam” gewählt.

Die faszinierende Fortsetzung des amerikakritischen Theaterfilms „Dogville”, für dessen Regieleistung Lars von Trier mit dem europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, spielt erneut in einem imaginären Raum. Die auf den bräunlichen Boden aufgemalte Stadt Manderlay ist ein Modell, umgeben von gespenstischer Leere. Auch die Plantage besteht aus einem aufgezeichneten Plan, nur durch spärliche Requisiten ergänzt. Inspiriert von einem Text Jean Paulhans über „Das Glück der Sklaverei”, präsentiert von Trier eine rabenschwarze Lehrfabel mit der bitteren Pointe, dass die Sklaven die sichere Hut geregelter Unterdrückung nicht zugunsten einer ungewissen Freiheit aufgeben wollen. Gelungen ist dieses Kino-Experiment, weil Film und Theater sich in einer verblüffenden Synthese gegenseitig ergänzen. Dank seines hervorragenden Ensembles, zu dem auch Lauren Bacall gehört, ist „Manderlay” eine außergewöhnliche Filmerfahrung, mit der Das Erste seine Reihe zum 85. Geburtstag der Schauspielerin abschließt.

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