Die TV-Premiere der restaurierten Fassung von Fritz Langs Die Nibelungen morgen auf arte

“Dem deutschen Volke” ist Fritz Langs “Die Nibelungen” [D 1924] laut Vorspann gewidmet. Wie passend, dass arte den Termin für die TV-Premiere der restaurierten Fassung auf den 3. Oktober - den Tag der Deutschen Einheit – gelegt hat. Um 20:15 Uhr beginnt die Ausstrahlung des ersten Teils “Siegfried“, direkt im Anschluss um 22:40 Uhr folgt der zweite Teil “Kriemhilds Rache“. Abschließend zeigt arte um 00:45 Uhr noch die 70-minütige Dokumentation “Das Erbe der Nibelungen” [BRD 2011] über die Entstehungsgeschichte des Films. arteHD bringt alle drei Sendungen auch in High Definition.

Auf der arte-WebSite sind ein paar Seiten von 2010 zur Weltpremiere der restaurierten Fassung in der Deutschen Oper in Berlin zu finden: Die Musik von Gottfried Huppertz | Interview mit Dirigent Frank Strobel | Fotogalerie | Videos

Aktuell sind zwei Artikel von Daniel Kothenschulte, einer zur Restaurierung und einer über die Tricktechnik und die Musik.

Der heldenmütige Siegfried bricht auf, um die Gunst der schönen Kriemhild von Worms zu erlangen. Als er bei ihrem Bruder Gunther, König der Burgunder um ihre Hand anhält, ahnt der bis auf eine Stelle unverwundbare Held nicht, dass die Hochzeit mit Kriemhild ihn das Leben kosten wird.

(1) Siegfried
Der junge Siegfried, Sohn des Königs Sigmund, hat seine Ausbildung in der Schmiede des Zwerges Mime beendet, als er von der wunderschönen Prinzessin Kriemhild, Schwester des Königs Gunther von Worms, hört. Sofort bricht er auf, um um ihre Hand anzuhalten. Auf seinem Weg muss er es mit einem gefährlichen Drachen aufnehmen und tötet diesen im Kampf. In der Hoffnung die Unverwundbarkeit zu erlangen, nimmt er ein Bad im Blut des Drachen. Währenddessen fällt Siegfried unbemerkt ein Blatt auf die Schulter, die somit, nicht vom Blut des Drachen bedeckt, verwundbar bleibt. Er nimmt seine Reise wieder auf und begegnet bald darauf dem heimtückischen Zwergenkönig Alberich, Hüter des Nibelungenhortes. Nach kurzem Kampf kommt er in den Besitz seines Schwertes Balmung und einer Tarnkappe des Nibelung. Am Hofe der Burgunden in Worms hält Siegfried schließlich Einzug und bittet König Gunther um die Hand von dessen Schwester Kriemhild. Doch um Kriemhild zu bekommen, fordert König Gunther des Helden Hilfe bei seinem Plan, die kriegerische Brunhild zu besiegen und so als Frau zu gewinnen. Unter der Tarnkappe versteckt, kann Siegfried Brunhild besiegen und es so aussehen lassen, als sei sie von Gunther überwältigt worden. Er erfüllt damit seinen Soll und es kommt zur Doppelhochzeit Siegfrieds mit Kriemhild und Gunthers mit Brunhild. Noch einmal wird Gunther Siegfrieds Hilfe erbitten, um die unbändige Brunhild zu bezwingen – in seiner Hochzeitsnacht. Es kommt zum Streit der Königinnen Kriemhild und Brunhild, in dem das Geschehen der Hochzeitsnacht offenbar wird. Brunhild ist außer sich vor Wut und fordert von Gunther Siegfrieds Leben für die erlittene Schmach. Durch einen heimtückischen Plan, gebilligt vom König, findet Siegfried schließlich den Tod durch das Schwert Hagen von Tronjes, dem königlichen Gefolgsmann und Ratgeber Gunthers. Kriemhild schwört Rache für Siegfried.

(2) Kriemhilds Rache
Verraten und voller Schmerz verlässt Kriemhild die Stadt Worms, um ein neues Leben an der Seite des hunnischen Königs Etzel zu beginnen. Nachdem ihr Gatte, König Siegfried, heimtückisch von Hagen von Tronje und mit Einwilligung ihres Bruders König Gunther getötet wurde, ist ihr einziger Gedanke der Wunsch nach Vergeltung …

Nachdem König Siegfried, Kriemhilds Mann, heimtückisch durch Hagen von Tronje, dem Ratgeber des burgundischen Königs Gunther, ermordet wurde, bricht die verratene Schwester Gunthers verbittert und voller Rachegedanken ins Hunnenland auf. Dort wird sie, verfolgt von den Geistern der Vergangenheit, ein neues Leben an der Seite König Etzels beginnen. Bald gebiert sie einen Sohn. Zu diesem Anlass und um ihren Racheschwur in die Tat umzusetzen, lädt Kriemhild König Gunther und sein Gefolge an den Hof Etzels. Noch in der Nacht der Ankunft setzt Kriemhild hunnische Krieger auf Hagen von Tronje an und verspricht eine reiche Belohnung für dessen Kopf. Am darauffolgenden Tag wird ein Festbankett in König Etzels Palast gegeben, zu dem die Gäste trotz merklicher Bedrohung erscheinen. Die Atmosphäre ist mehr als angespannt und nach einiger Zeit attackieren hunnische Krieger die burgundische Gefolgschaft. Als die Nachricht um das Gefecht den Festsaal erreicht, eskaliert die Situation auch hier. Im Tumult tötet Hagen von Tronje König Etzels und Kriemhilds Sohn. Die Burgunden verschanzen sich nun im Festsaal, der von den Hunnen belagert, beschossen und in immer neuen Angriffswellen bestürmt wird. Das wiederholte Angebot Kriemhilds, das Leben der Burgunden bei einer Auslieferung Hagens zu verschonen und ihnen freien Abzug zu gewähren, wird zurückgewiesen. Es kommt zum tragischen Ende einer blutigen Auseinandersetzung.

Fritz Lang und Thea von Harbou konzipierten den zwischen 1922 und 1924 entstandenen Nibelungenfilm in zwei Teilen, “Siegfried” und “Kriemhilds Rache”. Für das Drehbuch bevorzugte von Harbou bewusst die nordische Sage gegenüber der populären Wagner-Oper. Konsequent fortgesetzt wurde dieser Ansatz in der Stilisierung, die Fritz Lang, seine Architekten und Kostümbildner für die Dekorationen, Kostüme und die Schauspielführung entwickelten, und nicht zuletzt in der Entscheidung der Musikbegleitung: Statt Wagner-Motive zu verwenden, komponierte Gottfried Huppertz ein neues Werk. “Die Nibelungen” war die bis dahin teuerste deutsche Filmproduktion. Die Vorbereitungszeit für Drehbuch, Bauten und Kostüme umfasste ein halbes Jahr, in dem ein künstlicher Wald mit neun Meter hohen Bäumen im Studio erbaut und ein 21 Meter langes Drachenmodell erschaffen wurde. Die Dreharbeiten begannen im Herbst 1922 und endeten nach der Uraufführung des ersten Teils im Frühjahr 1924 mit letzten Aufnahmen für den zweiten Teil. Die Ufa nutzte diese Zeit pressewirksam aus: Regelmäßig erscheinende Tagesberichte priesen die kreativen und technischen Höchstleistungen, die für diese Produktion in Babelsberg absolviert wurden. Ihr spektakuläres Ende fand der werbewirksame Verkauf der Dreharbeiten mit dem Finale des Films: Für das Niederbrennen des Etzelpalastes durch Feuerpfeile der Hunnen wurde die Presse zum Nachtdreh eingeladen. Fritz Lang selbst soll den ersten Feuerpfeil abgeschossen haben.

Obwohl der zweite Teil unvollständig bleiben muss, ist die filmische Überlieferung von “Die Nibelungen” beispiellos: Neben internationalen Verleihkopien aus Italien, England, Russland, Uruguay und den USA, sind auch unvollständige Kameranegative im Filmarchiv des Bundesarchivs in Berlin und im Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main erhalten. Bisher war “Die Nibelungen” in schwarz-weiß geläufig. Die in schwarz-weiß hergestellten Kopien wurden viragiert, das heißt in einem Farbbad gefärbt, wodurch alle transparenten Teile farbig erscheinen.

Erst mit der aktuellen Restaurierung ist es möglich, dieses Meisterwerk in Licht und Schatten in einer fotografischen Qualität zu zeigen, die die ästhetischen und visuellen Leistungen des Films wieder nahe bringt.

Bei ARTE findet die deutsch-französische Erstausstrahlung der restaurierten HD-Fassung statt.

6 Kommentare

  1. Ralf

    Irgendwas stimmte da nicht.
    Die neu restaurierte Fassung der NIBELUNGEN, die gestern auf ARTE lief hatte folgende Ausstrahlungslängen:
    Teil 1: Siegfried – 144 min
    Teil 2: Kriemhilds Rache – 126 min

    Laut Website der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat die neue Restaurierung aber folgende Meterlängen.:
    Teil 1: Länge: 3216m
    Teil 2: Länge: 3576m
    Das heißt: Teil 2 ist eigentlich länger als Teil 1.

    Tatsächlich haben meine Videoaufnahmen der in den 80er Jahren vom Filmmuseum München restaurierten Fassung auch folgende Laufzeiten, die dies bestätigen:
    Teil 1: 143 min
    Teil 2: 151 min

    Wie kommt dieser Zeitunterschied zustande? Bei dieser neu restaurierten Fassung mit zusätzlich eingefügten Szenen müsste man ja annehmen, dass diese eher länger läuft als die alte. Stattdessen ist “Kriemhilds Rache” nun um 25 Minuten KÜRZER.
    Wurde Teil 2 auf ARTE fälschlicherweise in einer schnelleren Geschwindigkeit abgespielt oder fehlt hier tatsächlich einiges an Material?

  2. Christian Liemke

    Interessant. Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, meine HD-Aufnahme zu schneiden oder gar anzuschauen.

    Wo steht denn auf der Seite der Murnau-Stiftung, dass die Restaurierung des zweiten Teils 3576 Meter lang sein soll? Ich habe es leider nicht gefunden. Die Angabe kann eigentlich auch nicht stimmen, da es die Länge ist, die 1924 der Zensur-Behörde vorgelegt wurde.

    7 Akte, 3576 m, Zensur: 10.05.1924, Nr. B.08477, Jugendfrei

    Die Ufa hat den Film aber später erheblich gekürzt, die entfernten Szenen gelten als verloren. Die neue Einstellung, die innerhalb von Outtake-Materialien gefunden und wieder eingefügt wurde, dauert nur wenige Sekunden. Leider findet man auf der Nibelungen 24/10-WebSite keinerlei Längenangaben, auch innerhalb der Texttafeln vor den beiden Filmen ist dies – anders als sonst üblich bei derartigen Restaurierungen – nicht aufgeführt. Sehr schade.

    Ich werde noch ein wenig recherchieren. Vielleicht finde ich weitere Angaben dazu.

  3. Ralf

    Die Längenangabe in Meter steht hier.
    Das kann aber natürlich auch die ursprüngliche Länge sein, das geht da leider nicht eindeutig draus hervor.
    Nichtsdestotrotz bleibt die Tatsache bestehen, dass die Münchner Restaurierung deutlich länger war. Sehr seltsam, das.

  4. Ralf

    Ich habe auf der ARTE-Website deshalb auch mal angefragt und die haben geantwortet:
    “Tatsächlich läuft der zweite Teil von “Die Nibelungen” mit einer anderen Geschwindigkeit, nämlich 22 Bilder pro Sekunde. Dieser technisch bedingte, etwas schnellere Lauf erklärt den Zeitunterschied zur früheren Version!”

  5. Christian Liemke

    Vielen Dank für die Info. Gab’s auch eine Erklärung dazu, wieso Teil 2 mit einer schnelleren Geschwindigkeit gezeigt wurde? Ist das historisch verbrieft, vielleicht anhand der Huppertz-Partitur, so wie es schon bei “Metropolis” war?

  6. Ralf

    Endlich hat ARTE geantwortet. Hier die Erklärung:

    “Die Entscheidung für 22 fps im ersten Teil war eine redaktionelle Entscheidung, es harmonisierte so besser mit der rekonstruierten Partitur von Huppertz’ Originalmusik. Im ersten Teil auch mit 22 fps zu arbeiten, hätte den Effekt der extremen Verlangsamung, den Huppertz wie ein Stilmittel zur Charakterisierung der Nibelungen einsetzt, weniger wirkungsvoll gemacht, deshalb die Entscheidung für 20 fps im ersten Teil.

    Insgesamt wollten wir die Huppertz-Musik nicht zu langsam ansetzen nach der Erfahrung mit METROPOLIS und 24 fps in der Musik, wobei die MET-Partitur stellenweise sogar ein noch höheres Tempo angibt. Wir wissen inzwischen, dass die Filme historisch eher schneller als langsamer projiziert wurden und dass es eine Entwicklung in den Archiven war, Stummfilme so vorzuführen, wie sie dem natürlichen Bewegungseindruck entsprechen. Aber damit lagen die Archive historisch nicht immer richtig. So viel zur unterschiedlichen Geschwindigkeit.”

    Wenn dies eine redaktionelle Entscheidung war, dann wird interessant sein zu sehen, wie sich die Murnau-Stiftung für die DVD/Blu-Ray entscheidet.

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