Das war der Wilde Westen auf DVD und Blu-ray

Von den 30er bis Anfang der 50er Jahre besaßen die meisten Kinofilme ein Bildformat: 1.37:1, das sogenannte “Academy Ratio”, welches 1932 von der Academy of Motion Picture Arts and Sound als Standard ausgerufen wurde, welches aber schon seit 1928 in Gebrauch war. Davor hatten die meisten Stummfilme das fast identische 1.33:1-Format, frühe Tonfilme waren oftmals in 1.18:1. Immer wieder gab es Bestrebungen der Filmstudios, auch andere, breitere Aufnahme- und Projektionsverfahren zu etablieren, allerdings blieb ein langfristiger Erfolg aus. Hier eine Auswahl an frühen Widescreenverfahren:

1900
Cinéorama Rundumprojektion und 75mm-Breitfilm von Lumière auf der Pariser Weltausstellung

1914
Alberini Panoramica mit 70mm-Breitfilm (Italien)

1925
Magnascope Großprojektion (USA)

1926
Natural Vision 63,5mm-Breitfilm von RKO (USA)

1927
Polyvision und Triptych von Abel Gance (Frankreich)

1929
Fox Grandeur 70mm-Breitfilm (USA)
Paramount Magnafilm 56mm (USA)

1930
Realife 70mm-Breitfilm von MGM (USA)

1931
Vitascope 65mm-Breitfilm (USA)

1939
Vitarama Panoramafilm auf der New York World Fair

Erst Anfang der 50er Jahre sollte die Zeit für eine Revolution des Bildformats reif sein und Widescreen als Standard in den Kinosälen etablieren. Das erste erfolgreiche Widescreen-Format kam 1952 auf den Markt: Cinerama.

Cinerama war ein Kind des Filmtüftlers Fred Waller, der 1939 den oben bereits genannten “Vitarama Panoramafilm” mit elf 16mm-Projektoren auf der New York World Fair zeigte und in den 40er Jahren den sogenannten “Waller Gunnery Trainer” entwickelte. Bei diesem Simulator für die Air Force projezierte er ein Bild mit fünf 16mm-Projektoren auf eine gekrümmte Leinwand.

Aus dieser Entwicklung ging 1952 Cinerama hervor. Dafür wurde das System auf drei 35mm-Kameras bzw. Projektoren umgestellt. Bei der Aufnahme wurden drei Kameras so angeordnet, daß sie zusammen ein Bild mit einem Sichtfeld von 146° in der Breite und 55° in der Höhe aufnehmen konnten. Bestückt waren die Kameras dabei mit 27mm-Optiken, hergestellt von Eastman Kodak. Bei der Projektion kamen drei synchronisierte 35mm-Projektoren zum Einsatz. Diese bildeten das Bild auf einer großen gekrümmten 146°-Leinwand ab. Die Leinwände bestanden aus 1000 bis 2000 einzelnen, zum Zuschauerraum gerichteteten Streifen, um das Licht im größtmöglichen Umfang zu den Kinogästen zu reflektieren. Das Widescreen-Bild setzte sich also aus drei einzelnen Projektionen der drei 35mm-Filme zusammen, was dazu führte, daß die “Nahtstellen” als solche sichtbar waren. Aufgenommen und projeziert wurde bei den ersten fünf der sieben “echten” Cinerama-Filmen übrigens mit 26 statt der üblichen 24 Bildern pro Sekunde. Die drei Einzel-Projektionen addierten sich zu einem Widescreen-Bild mit einem Format von 2.59:1.

Auch im Bereich des Sounds ging Cinerama neue Wege. Geboten wurde nämlich 7-Kanal-Magnetton, eine völlig neue Dimension, wenn man bedenkt, daß Filme vorher - mit wenigen experimentellen aber nicht erfolgreichen Ausnahmen - mit Mono-Lichtton gezeigt wurden. Ein separater 35mm-Filmstreifen mit den sieben Tonspuren lief durch einen weiteren Projektor, der mit den anderen drei synchronisiert war. Die Kanäle verteilten sich auf Links, Links Center, Center, Rechts Center, Rechts und auf zwei umschaltbare Surround-Kanäle. Die Surround-Kanäle wurden manuell vom “Cinerama theatre engineer” entweder auf die linke oder rechte Seite gelegt, oder aber auf die beiden Seiten oder einen Lautsprecher an der Rückwand des Kinos.

Mit dem Präsentationsfilm “This is Cinerama” [USA 1952, Merian C. Cooper, Gunther von Fritsch, Ernest B. Schoedsack, Michael Todd Jr.] feierte Cinerama am 30. September 1952 im Broadway Theatre in New York Premiere. Es sollten bis 1962 nur sechs weitere Filme folgen, da die Technik zu kompliziert und die Investitionen für die Kinos zu hoch waren. Der Grundstein für den Siegeszug der Widescreen-Verfahren war jedoch gelegt und bereits 1953 kam die 20th Century Fox mit ihrem CinemaScope auf den Markt, welches sich auf der ganzen Welt etablierte.

1962 kam mit “Das war der Wilde Westen / How the West was Won” [USA 1962] der letzte echte Cinerama-Film - und nur einer von zwei narrativen - in die Kinos. “Echt”, weil Cinerama danach auf 70mm und eine Kamera bzw. einen Projektor umgestellt wurde. Mit dem letzten Cinerama-Film wird Warner Bros die erste Cinerama-Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray präsentieren.

How the West was Won” besteht aus fünf einzelnen Segmenten (”The Civil War”, “The Rivers”, “The Plains”, “The Outlaws” und “The Railroad”), gedreht von den Regisseuren John Ford, Henry Hathaway, George Marshall und Richard Thorpe. Nicht alle Szenen des Films wurden mit dem 3-Panel-Cinerama-Verfahren erstellt. Einige Szenen entstanden in Ultra Panavision 70 / MGM Camera 65, 75 Prozent der “The Civil War”-Sequenz wurden der MGM Camera 65-Produktion “Das Land des Regenbaums / Raintree County” [USA 1957, Edward Dmytryk] entliehen, andere der Todd-AO-Produktion “Alamo / The Alamo” [USA 1960, John Wayne]. Diese wurden für die 3-Panel-Cinerama-Projektion über einen Panavision Micro-Panatar-Printer konvertiert. Diese Szenen waren jedoch durch eine etwas schlechtere Bildqualität und sichtbarerer Körnung immer zu identifizieren.

Die DVD bzw. Blu-ray präsentiert den Film in restaurierter Form. Dabei wurde auch vor allem Wert darauf gelegt, die früher im Kino zu sehenden “Nahtstellen” der drei Projektionen zu eliminieren. Dabei kam eine Technik von Hewlett Packard zum Einsatz, welche hier erklärt wird. Ein Beispiel-Bild mit dem Ergebnis ist dort ebenfalls zu sehen.

In den USA werden die Doppel-DVD und die Doppel-Blu-ray am 26. August 2008 erscheinen. Beide enthalten das gleiche Bonusmaterial:

- Film Historian Commentary
- Dave Strohmaier’s critically-acclaimed, feature-length documentary Cinerama Adventure
- The Making of How the West Was Won (Archival featurette)
- Original Theatrical trailer

Die Blu-ray wird jedoch ein weiteres Feature aufweisen und zwar eine “Smilebox”-Fassung des Films auf Disc #2. Da der Film damals auf eine 146°-Leinwand projeziert wurde, gibt es bei der flachen Wiedergabe eines TVs, LCDs, Plasmas oder per Beamer entsprechende Verzerrungen. Dieses Problem hatten die Filmemacher der “Cinerama Adventure”-Dokumentation durch das sogenannten “Smilebox”-Format gelöst, welches auf der WebSite zur Doku erläutert wird. Dabei wird die Präsentation auf einer 146°-Leinwand simuliert, ohne natürlich den damaligen Effekt “mitten im Bild zu sitzen” erreichen zu können. Trotzdem sehr schade, daß diese Fassung des Films nicht auf der DVD enthalten sein wird.

Etwas irritiert bin ich noch bezüglich des von Warner angegebenen Bildformats: 2.89:1 entspricht nicht dem 2.59:1-Format, zu dem Cinerama fähig war.

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Für den deutschen Markt sind ebenfalls Doppel-DVD und Doppel-Blu-ray-Veröffentlichungen geplant. Das DVD-Set erscheint am 10. Oktober, die Blu-ray eine Woche später am 17. Oktober 2008.
Ob die Sonderverpackungen der US-DVD auch hierzulande erscheinen, ist noch nicht bekannt, ich bezweifle es jedoch, denn bisher hat Warner nur wenige der “Ultimate Collector’s Editions” auch in Deutschland in den Handel gebracht. Als Beispiele fallen mir gerade nur “Blade Runner” und “Forbidden Planet” ein.

4 Kommentare

  1. DVDuell.de » Western-DVDs von Warner Bros. im Oktober 2008

    [...] How the West was Won” [USA 1962, John Ford, Henry Hathaway, George Marshall, Richard Thorpe] (siehe hier) stehen acht weitere Western-DVDs am 10. Oktober 2008 an, darunter mit “Montana” [USA [...]

  2. DVDuell.de » Das war der Wilde Westen sogar als 3-DVD-Set

    [...] Ford, Henry Hathaway, George Marshall, Richard Thorpe] und die Cinerama-Technik hatte ich bereits ausführlich vorgestellt. Anders als die US-DVD oder die britische Ausgabe wird die deutsche Special Edition von Warner [...]

  3. DVDuell.de » How the West Was Won erst im September 2008

    [...] West was Won” [USA 1962, John Ford, Henry Hathaway, George Marshall, Richard Thorpe] (siehe hier, hier und hier) wurde von Warner Bros. um zwei wochen verschoben. Statt, wie ursprünglich [...]

  4. DVDuell.de » Dave Strohmaier über das SmileBox-Format

    [...] liegt auf der Blu-ray zusätzlich eine sogenannte SmileBox-Fassung vor, über die ich hier bereits berichtet habe. Dieses SmileBox-Format wurde für die Dokumentation “Cinerama [...]

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