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Warner Archive Collection

 
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 18 Aug 2013 11:11    Titel: Warner Archive Collection Antworten mit Zitat

Ich habe kürzlich die amerikanische Version der Warner Archive Collection für mich entdeckt - und so schlage ich vor, diesen Thread zum Vorstellen einzelner DVDs dieser schönen Reihe zu nutzen.
Es gibt darin einige sehr schöne Titel, klassische amerikanische Spielfilme, die anderweitig nie auf DVD erschienen sind, versteckte Perlen des US-Kinos von den Zwanzigerjahren bis heute, zum Teil obskure Titel, hinter denen sich wer-weiss-was verstecken kann - vielleicht eine wertvolle Entdeckung.
Und weil die Collection inzwischen auf über 500 Titel angewachsen ist, gilt es, für Interessierte etwas Übersicht in den Dschungel zu bringen.
Interessiert das jemanden? Macht evtl. sogar jemand mit?

Die Warner Archive Collection , das sind DVDs "on demand" - auf DVD-R. Hier ist mal der Link zur Collection: http://www.wbshop.com/category/wbshop_brands/warner+archive/warner+archive+collection.do?nType=2
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 18 Aug 2013 20:44    Titel: Escape (1940) Antworten mit Zitat

Na gut - ich fange mal an:


ESCAPE
USA 1940
Mit Robert Taylor, Norma Shearer, Conrad Veidt, Philip Dorn, Felix Bressart, Alla Nazimova, Albert Bassermann, Elsa Bassermann, Ernst Deutsch, u.a.
Buch: Arch Oboler und Marguerite Roberts nach dem gleichnamigen Roman von Grace Zaring Stone (publiziert unter dem Pseudonym Ethel Vance)
Regie: Mervyn LeRoy

Schon meine erste DVD der Warner Archive Collection enthält eine Entdeckung. Escape scheint weder in deutschsprachigen Kinos gelaufen noch scheint er hier je im TV gezeigt worden zu sein - ein vergessener Film. Dabei gehörte Escape zu den ersten Anti-Nazi-Filmen Hollywoods, welche die Schrecken der Konzentrationslager thematisierten. Hier geschieht dies zwar nur am Rand und auf "verharmlosende" Art (hauptsächlich, weil sich das echte Grauen im Amerika des Jahres 1940 niemand vorstellen konnte), trotzdem bleibt das Konzentrationslager für die Handlung zentral.
Robert Taylor spielt Mark Preysing, einen amerikanischen Staatsbürger mit deutschen Wurzeln, der auf der Suche nach seiner verschollenen Mutter nach Nazi-Deutschland reist. Schon bald wird klar, dass diese, eine einst berühmte Schauspielerin (Alla Nazimova) in einem Konzentrationslager auf ihre Exekution wartet.

Preysing übernimmt die Rolle der Identifikationsfigur und ist deshalb mit unglaublicher Naivität ausgestattet - einer der Schwachpunkte des Films, jedenfalls aus heutiger Sicht. Damals galt es, den unbescholtenen amerikanischen Kinogänger an die Hand zu nehmen und ihn in das Grauen der Nazidiktatur einzuführen. Und diese Rolle kam Preysing zu; heute erscheint es nicht mehr glaubhaft, dass ein Mann mit deutschen Wurzeln so gar keine Ahnung hat, was sich seit der Machtübernahme Hitlers in seinem Mutterland getan hat.

Der Film vermittelt allerdings auf subtile und absolut wirkungsvolle Weise die klaustrophobische Stimmung unter der Naziherrschaft. Niemand will mit Preysing reden, alle wenden sich verschämt ab, nachdem er sein Anliegen vorgebracht hat. Bis er auf die Gräfin von Treck (Norma Shearer) trifft, die zufällig auf die Spur von Preysings Mutter kommt. Da die Gräfin aber mit einem Nazigeneral (Conrad Veidt) liiert ist, wird ihre Hilfestellung zum Drahtseilakt...

Der Film glänzt in allererster Linie mit durchs Band hervorragenden schauspielerischen Leistungen und einer packenden Dramaturgie. In der Tat habe ich weder Robert Taylor noch Norma Shearer je so gut wie hier gesehen - ganz zu schweigen von den Nebendarstellern, praktisch allesamt deutsche Emigranten. Besonders Felix Bressart und der Deutsch-Holländer Philip Dorn, der später unter dem Namen Frits van Dongen in Filmen wie Der träumende Mund (D 1953) mitwirkte, prägen sich mit ihrem intensiven Spiel ein.

Escape mag nicht der beste Anti-Nazi-Film aus dem klassischen Hollywood sein, doch seine Dramaturgie und die schauspielerischen Leistungen machen ihn noch heute trotz einiger Schwächen zu einem packenden Seh-Erlebnis!
7,5/10


Screen-Shots von der DVD:





Zuletzt bearbeitet von Charley_Chase am 02 Sep 2013 19:45, insgesamt einmal bearbeitet
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Local Hero



Anmeldungsdatum: 26.02.2006
Beiträge: 92
Wohnort: Göttingen

BeitragVerfasst am: 20 Aug 2013 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Sind die DVDs regionalcodemäßig verschlüsselt oder codefree?
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 20 Aug 2013 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Local Hero hat folgendes geschrieben:
Sind die DVDs regionalcodemäßig verschlüsselt oder codefree?
Die DVDs der Warner Archive Collection sind alle R0 - auf allen Playern weltweit spielbar.
Es handelt sich, wie im Eingangsposting bereits erwähnt, um Filme "on demand", auf DVD-R. Die Filme werden nicht digital aufbereitet - was mir persönlich sehr sympathisch ist, denn so stellt sich echtes "Kinofeeling" ein, d.h., es gibt hie und da kleinere Verunreinigungen (besonders an den Aktenden), bislang habe ich in dieser Hinsicht nie etwas wirklich Gravierendes festgestellt in dieser Reihe!
Die Bildschärfe und -auflösung war bei allen Scheiben bislang top (siehe auch obige Screenshots)!
Günstig bekommen tut man die Filme im US-Ebay oder bei Deep Discount.
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Dr. Strangelove



Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 1805

BeitragVerfasst am: 20 Aug 2013 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses mittlerweile riesige Archiv ist schon fast unüberschaubar. Meiner Meinung macht da wirklich die On-Demand-Variante Sinn, etwa über einen amerikanischen iTunes-Account, wo man die Filme alle für ein paar wenige Dollar mittels AppleTV auf großer/bzw. kleiner Leinwand gucken kann. DVDs aus der Reihe habe ich mir bis auf die neuen Forbidden Hollywood-Titel noch keine gekauft, weil teuer und frei von Boni.
_________________
"Un artiste est toujours jeune" Jean-Marie Straub
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rushmore
Gast





BeitragVerfasst am: 21 Aug 2013 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab' sicher mal die hier in meiner Sammlung:





Aber gerade aus der Warner Archive Collection gäbe es noch so viele Filme, die mich interessieren würden!
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 26 Aug 2013 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

... und weiter geht's:



SHOW PEOPLE
(dt.: Es tut sich was in Hollywood)
USA 1928
Mit Marion Davies, William Haines, Dell Henderson, Harry Gribbon, Sidney Bracey, Polly Moran, Charles Chaplin u.a.
Buch: Agnes Christine Johnston und Laurence Stallings
Regie: King Vidor

Der "vergessene Film der Woche" stammt diesmal aus der Stummfilmzeit und war seinerzeit äusserst erfolgreich - er schaffte sogar den Sprung über den grossen Teich: In Deutschland lief er 1930 unter dem kuriosen Titel Es tut sich was in Hollywood.
Show People ist eine jener ironischen Innenansichten, mit denen sich Hollywood bis heute in regelmässigen Abständen selbst feiert / geisselt / belächelt. Und weil dies ein Marion Davies-Film ist, steht das Lächeln, oder besser: das Lachen hier deutlich im Zentrum. Davies, heute praktisch vergessen, war zu Stummfilmzeiten ein gefeierter Komödien-Star - ein vollkommen berechtigter Status, wie dieser köstliche Film beweist!

Die junge Peggy Pepper aus Georgia (Davies) will unbedingt zum Film. In einer kleinen Neberolle beweist sie darart viel komödiantisches Talent, dass sie sofort für die Slapstick-Komödie entdeckt wird. Zusammen mit ihrem Förderer, dem Komiker Billy Boone (William Haines) dreht sie äusserst erfolgreiche "Klamotten". Doch sie fühlt sich zu Höherem berufen. Sie schaft den Aufstieg ins dramatische Fach und wird zum gefeierten Hollywood-Star, während ihr Billy in den "Niederungen" der Komödie zurückbleibt. Billy bewahrt sie zu guter Letzt vor dem Unglück des Selbstverlustes aus Karrieregründen.

Diese einfache und altbackene Geschichte wird in Show People mit derart viel Witz und Verve präsentiert, dass der Film noch heute frisch wirkt und ein echtes Sehvergnügen ist! Die Davies ist schlichtweg phänomenal, die Nebendarsteller sind hervorragend gewählt und es gibt Einfälle, die sind unbezahlbar. Etwa der Cameo-Auftritt Charles Chaplins, der sich ein Autogramm von Peggy holen will, von dieser aber wie ein lästiger Nobody behandelt wird. Oder jene Szene, in welcher sich der Film plötzlich selbst in den Schwanz beisst: Peggy, die sich in ihrem neuen Studio umsieht, entdeckt am Set eine Schauspielerin, die ihr irgendwie bekannt vorkommt. Es ist niemand anderes als - Marion Davies.
Auch King Vidor tritt in Show People auf (als King Vidor), und Peggys und Billys Slapstick-Film läuft im Beiprogramm des King Vidor-Films Bardelys the Magnificent. Es wimmelt von Querverweisen und ironischen Spitzen, und ständig latscht wieder ein Filmstern von damals vor die Kamera.
So ganz nebenbei ist Show People auch eine Hommage an Mack Sennetts wilde Slapstick-Welt, die damals bereits der Vergangenheit angehörte.

Also wieder eine echte Entdeckung aus der Warner Archive Collection, die zeigt, dass vergessenen Filme - auch wenn sie keine Meisterwerke sind - ganz schön viel Spass machen können!

Show People wurde von der WAC übrigens mit der dazugehörigen Originalmusikuntermalung, die damals auf Platten mit dem Film in die Kinos mitgeliefert worden war, veröffentlicht.
8/10

Screenshots von der DVD:





Zuletzt bearbeitet von Charley_Chase am 02 Sep 2013 19:46, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 02 Sep 2013 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Inzwischen wähle ich die Filme, die ich aus der Warner Archive Collection bestelle, nach dem Zufallsprinzip aus (per Würfel). Diese Woche fiel die Zufalls-Wahl auf



THE MADWOMAN OF CHAILLOT
(dt.: Die Irre von Chaillot)
USA 1969
Mit Katharine Hepburn, Richard Chamberlain, Yul Brynner, Paul Henreid, Danny Kaye, Edith Evans, Donald Pleasance, Oskar Homolka, Giulietta Masina, Charles Boyer u.a.
Drehbuch: Edward Anhalt
Regie: Bryan Forbes

Ein weiterer "vergessener Film", der sich sehen lassen kann und an den sich einige der älteren Semester möglicherweise erinnern, denn Die Irre von Chaillot lief 1969 auch in den deutschen Kinos.
Ich für meinen Teil erinnere mich an eine Fernsehausstrahlung in den Achzigerjahren, möglicherweise im ORF und in der englischsprachigen Originalfassung. Auf DVD gab es den Film bislang weder im deutschsprachigen noch im englischsprachigen Raum, wo er vor Jahren einmal auf VHS erhältlich war.
Dank der Warner Archive Collection taucht dieser erstaunliche Film nun wieder aus der Versenkung auf. Zum Glück!

La folle de Chaillot hiess ein Theaterstück aus der Feder des französischen Autors Jean Giraudoux, geschrieben und uraufgeführt 1943.
26 Jahre später wurde es für den Film adaptiert - von Hollywood. Mit einem beispiellosen Staraufgebot wurde das Stück 1969 ins damalige "Heute" versetzt - und floppte an der Kinokasse.
Und so haben wir einen grossartigen Film mehr, der in der Versenkung verschwunden ist. Den Amis war er wohl zu intellektuell, und weil die anspruchsvollen Themen in märchenhafte Bilder verpackt daherkommen, irritierte The Madwoman das Publikum mehr, als dass er es zur Reflexion anregte.

Mich hat der Film - mit einigen wenigen Abstrichen - vollkommen überzeugt. The Madwoman of Chaillot ist verfilmtes Theater, das wird sympathischerweise nie verleugnet, und das mag ihn für heutige, actiongeprüfte Sehgewohnheiten zeitweise etwas gewöhnungsbdürftig machen. Eine höchst sensible Regieführung, die allesamt grossartigen Darstellerinnen und Darsteller und ein grandioses Kostüm- und Kulissenkonzept holen aber das denkbar Beste aus dem Theater heraus!
Entstanden ist ein Ensemblefilm, der mit zahlreichen denkwürdigen und berührenden Momenten aufwartet. Katharine Hepburn ist schlicht grossartig als die alternde Verrückte; ihr ebenbürtig sind u.a. Danny Kaye - in seinem letzten Leinwandauftritt - als Lumpensammler, der vor dem Gericht der Verrückten die Rolle des Verteidigers übernimmt; oder Donald Pleasance als machtgeiler Prospektor, der eine Ölquelle im Pariser Untergrund entdeckt und diese wirtschaftlich erbarmungslos ausschlachten will. Edith Evans hat einen unvergesslichen Auftritt als selbsternannte Richterin. Aber auch alle anderen Beteiligten glänzen, keiner der Stars hat nur eine kleine Rolle, The Madwoman of Chaillot ist eine Ensemblekiste, und als das wird sie hier auch - bestens - verkauft.

1969 wurde Giraudoux' Stück dank der Jugendunruhen wieder hochaktuell, denn es geht darin um das Missverhältnis zwischen den zerstörungswütigen Mächtigen und den "kleinen Leuten". Ursprünglich waren damit die deutschen Besetzter und die französische Volk gemeint. Forbes' Film transponiert die Geschichte allerdings geschickt in den zeitgeistigen Kontext von '68 und setzt der lebensfeindlichen Raffgier der Mächtigen die Menschlichkeit und Wärme der einfachen, armen Leute entgegen. So entsteht ein Klassenkampf, in dem die "Normalen" die Welt ins Verderben treiben und die "Verrückten" sie davon abzuhalten versuchen.

Ein Prospektor entdeckt Öl im Pariser Untergrund und trommelt einige mächtige und reiche Männer aus Politik, Wirtschaft, Militär und Kirche zusammen, um sich mit deren Hilfe an den Schätzen zu bereichern. Als die "Irre von Chaillot" erfährt, dass ihrem alten Paris die Zerstörung droht, ja, dass der Menschlichkeit an sich ein vernichtender Schlag bevorsteht, heckt sie einen Plan aus, der den Mächtigen ein für allemal das Handwerk legen soll. Dazu schart sie ihre Freundinnen - drei weitere "Madwomen" - und die Menschen aus den untersten Gesellschaftsschichten um sich, um die Welt "ein für allemal von dem Bösen zu befreien".

Immer wieder scheinen Parallelen zu Michael Endes Roman Momo auf: Die grauen Herren haben deutliche Ähnlichkeit mit den hier auftretenden "Mächtigen"; hier wie dort stehen ihnen die "einfachen Leute" entgegen; angeührt werden sie dort von einem Kind, hier von einer Verrückten. Und hier wie dort herrscht eine Atmosphäre des Märchenhaften, Unwirklichen, des Zaubers, wie ihn nur Kinder und Verrückte wahrzunehmen scheinen...
Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Film Ende zu seiner Geschichte inspiriert hätte.
9/10

Screenshots von der DVD:








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rushmore
Gast





BeitragVerfasst am: 03 Sep 2013 07:39    Titel: Antworten mit Zitat

@Charley_Chase
Amüsant, denn vor ein paar Tagen hatte ich die DVD mal wieder aus meiner Sammlung geholt. Smile
Kann mich Deiner Kritik anschliessen. Hab ihn vor vielen Jahren in der englischen Fassung im Kino gesehen und wirklich als überzeugend empfunden. Keine Ahnung, warum der - auch in Europa - so schlecht kritisiert wurde.
Ich werde Deinen Beitrag zum Anlass nehmen, die DVD bald mal wieder in den Player zu legen! Very Happy
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2013 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

rushmore hat folgendes geschrieben:

Keine Ahnung, warum der - auch in Europa - so schlecht kritisiert wurde.

Ist mir auch ein Rätsel - auch die imdb-Wertung weist auf einen mittelmässigen Film hin - was The Madwoman bei Weitem nicht ist. Aber oft macht man die Erfahrung, dass der Kritik einfach nachgeplappert wird. Guckt man die imdb-Wertung ("nur" 549 Bewertungen) genauer an, dann fällt auf, dass die Meinungen bei diesem Film extrem auseinandergehen. Der Hauptharst vergab 5 oder 6 Punkte, der grosse Rest liegt drüber, der kleinere Rest drunter. Die Massierung bei 5/6 Punkten zieht die Wertung nach unten.
Ganz deutlich fällt auf, dass jüngere Leute (zw. 18 und 29 Jahren) dem Film die besten Noten vergeben (weil sie frei vom Vorurteil der damaligen Kritik sind?). Fazit: Der Film ist nicht einfach konsumierbar und bedarf dringend einer Neubewertung
.
rushmore hat folgendes geschrieben:
Ich werde Deinen Beitrag zum Anlass nehmen, die DVD bald mal wieder in den Player zu legen! Very Happy

Das freut mich natürlich ganz besonders! Dein Urteil der Neusichtung würde mich dann brennend interessieren!
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 10 Sep 2013 12:03    Titel: Antworten mit Zitat



SHIP AHOY
(dt.: Schiff ahoi)
USA 1942
Mit Eleanor Powell, Red Skelton, Bert Lahr, Virginia O'Brien, Tommy Dorsey & his Orchestra, Frank Sinatra u.a.
Drehbuch: Harry Clork
Regie: Edward Buzzell[/img]

Das Los entschied diese Woche für leichte Kost - aus dem Riesenangebot der Warner Archive Collection vergessener Filme bestimmte es Ship Ahoy, eine musikalische Komödie aus der Zeit des US-Kriegsengagements.
Ich erwartete nicht viel von diesem mir bis dahin gänzlich unbekannten Film, der unter dem Titel Schiff ahoi wohl auch mal im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

Ich erlebte gleich mehrere Ueberraschungen. Tommy Dorsey und sein Orchester geben darin gleich mehrere grandiose Nummern zum besten, und diese sind fabelhaft inszeniert und choreografiert.
Dann: Ein sehr junger Frank Sinatra hat hier seinen zweiten Filmauftritt - er war damals wohl noch nicht sehr bekannt, jedenfalls erscheint sein Name weder in den Anfangs- noch in den Endcredits.
Und wer sich schon öfter gefragt hat, ob eigentlich der Löwe aus Der Zauberer von Oz keine weiteren Filme gemacht habe, kriegt hier die Antwort: Doch, er hat. Wenige nur, keiner davon wurde bekannt, einer davon war Ship Ahoy. Lahr spielt darin eine völlig anderen Typen als im Zauberer von Oz - einen grossmäuligen Schürzenjäger. Und das mit köstlichem Verve!
Zudem: Eleanor Powell ist eine grandiose Tänzerin ist gehört ab sofort zu den sexy-sten Schauspielerinnen, die ich kenne.
Last but not least: No-Name Edward Buzzell führt absolut solide und gekonnt Regie.
Das ist doch eine ganze Menge und ergibt in der Summe einen höchst vergnüglichen Filmabend.

Die Story klingt wie viele andere aus jener goldenen, musicalseligen Zeit: Eine bekannte Tänzerin wird von den Nazis angeheuert, eine magnetische Unterwassermine von Amerika nach Puerto Rico zu schmuggeln. Dabei glaubt sie, für den US-Geheimdienst zu arbeiten.
Dazu kommt ein leicht trotteliger Held - hier ist es Komiker Red Skelton als Groschenroman-Autor, der die Nazis dank einer seiner Geschichten erst auf die Idee mit dem Minenschmuggel gebracht hat. Der Autor und die Tänzerin verlieben sich, dann treten die Bösewichte auf den Plan und der arme Held gerät wie seine Romanfigur zwischen die Fronten zwischen Gut und Böse, erlebt haarsträubende Abenteuer und kann sich am Schluss mit List und Tücke befreien.

Olle Kamellen also. Dass Ship Ahoy trotzdem höchst unterhaltsam geworden ist, verdankt er seiner wunderbaren Besetzung, einer trotz allem soliden Story und der gelungenen Konzeption, welche die durchaus spannende Handlung in eine Komödie mit Musik- und Tanzeinlagen einbettet. Natürlich ist das Ganze absolut konventionell gehalten (und wohl deshalb heute vergessen); trotzdem macht das Anschauen dieses Films richtig Spass. Und zwar ohne Einschränkung!
7/10

Screenshots von der DVD:






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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2013 11:34    Titel: Antworten mit Zitat



THE RISING OF THE MOON
Irland 1957
Mit Tyrone Power, Cyril Cusack, Dennis O'Dea, Donal Donnelly, u.a.
Drehbuch: Frank S. Nugent
Regie: John Ford

Ein unbekannter Film des grossen John Ford? Das gibt's!
Ohne die Warner Archive Collection hätte ich dieses Kleinod, was The Rising of the Moon zweifellos ist, wohl nie entdeckt. Die amerikanische Version dieser DVD-R-Serie, welche "vergessene" Filme "on demand" zugänglich macht, entpuppt sich mehr und mehr als unverzichtbar. Auch der hier vorliegende Titel beweist, dass längst nicht alle vergessenen Filme zu Recht vergessen sind.

The Rising of the Moon wurde vollständig in Irland gedreht. Regisseur Ford gedachte damit nicht zum ersten Mal seiner irischen Herkunft (zuvor entstanden die ungleich bekannteren Irland-Filme So grün war mein Tal und Der Sieger). Mit The Rising of the Moon wollte Ford das Filmemachen in Irland vorantreiben. Später sagte er, er hätte diesen Film "just for fun" gemacht und hätte es sehr genossen. Das merkt man: Der Spass überträgt sich auf die Zuschauer!

Die Schauspieler sind (oder waren damals) alle unbekannt, samt und sonders Iren, die meisten von der renommierten Abbey Theatre Company in Dublin. Ein Star wurde, wohl zu Marketingzwecken, trotzdem eingebaut, nämlich Tyrone Power, der den Erzähler gibt. The Rising of the Moon besteht aus drei Episoden, verfasst von drei verschiedenen irischen Autoren, und Power verbindet diese mit kurzen Kommentaren.

Episode eins, The Majesty of the Law ist die verhaltenste der drei - aber trotzdem höchst vergnüglich! Darin begibt sich ein Polizeiinspektor (Cyril Cusack) auf einen schweren Gang: Er soll den alten Gutsbesitzer Dan O'Flaherty wegen tätlichen Angreifens eines Nachbarn festnehmen. Dabei wird er vom Delinquenten mit soviel ehrlicher Herzlichkeit empfangen und bewirtet, dass er sich kaum mehr traut, auf den Zweck seines Besuchs zu sprechen zu kommen.
One Minute's Wait berichtet vom kurzen Aufenthalt eines vollbeladenen Personenzugs in einem kleinen Bahnhof, der sich wegen zahlreicher lächerlicher Zwischenfälle immer mehr in die Länge zieht und immer turbulenter wird. Hier zieht John Ford meisterhaft die Register seines komödiantischen Talents, das in seinen bekannten Filmen immer wieder durchscheint. One Minute's Wait ist eine wunderbare Farce mit köstlichen Chargen - zum piepen komisch!
Die letzte Episode, 1921, erzählt eine Geschichte aus der Zeit der englischen Besetzung. Der junge irische Nationalist Sean Curran soll gehängt werden. Er hat noch eine Stunde zu leben, als er von zwei Nonnen besucht wird. Danach ist er verschwunden. Die Engländer suchen die ganze Stadt ab ohne zu ahnen, was ihnen die pfiffigen Iren da für einen Streich gespielt haben.

The Rising of the Moon wirkt trotz seiner Episodenhaftigkeit wie aus einen Guss. Das ist einerseits dem Drehbuchautor Frank S. Nugent zu verdanken, der einige der besten Filme Fords mitgeprägt hat (u.a. das ein Jahr zuvor entstandene Meisterwerk Der schwarze Falke), andererseits Fords prägnanter Regie-Handschrift, welche den Film durch wunderbar durchkomponierte Einstellungen zum Seh-Genuss werden lässt. Und in allen drei Episoden wird die "typisch irische" Pfiffigkeit zelebriert, die dem ganzen Film ihren Stempel aufdrückt und den Grundton bestimmt.
Von den drei mir bekannten Irland-Filmen Fords gefällt mir The Rising of the Moon deutlich am besten - obwohl er kaum bekannt ist und in Deutschland, wie's aussieht, noch nie zu sehen war!

Soviel zum Thema "Qualität unbekannter Filme"! Ich bleibe auf jeden Fall dran an der Warner Archive Collection und werde weiter berichten...
9/10

Screenshots von der DVD:








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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 23 Sep 2013 15:41    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist Wochenbeginn - hier der neue Archive-Film:



DOUGHBOYS
(USA 1930)
Mit Buster Keaton, Sally Eilers, Edward Brophy, Cliff Edwards, Arnold Korff u.a.
Buch: Al Boasberg und Richard Schayer
Regie: Edward Sedgwick

Ein Jahr nach seinem letzten Stummfilm Spite Marriage war Buster Keaton auf seinem künstlerischen Tiefpunkt angekommen. Der Abstieg vollzog sich nicht etwa langsam und schleichend - er kam wie ein Schock von einem Film auf den nächsten. Obwohl Doughboys besser ist als der Vorgängerfilm Free and Easy bietet er ein trauriges Bild: Buster Keaton in einer groben, uninspirierten Militärklamotte an der Seite eines fürchterlich chargierenden, pausenlos herumbrüllenden Edward Brophy zu sehen - das tut weh! Obwohl in den Credits zu lesen ist, dass es sich bei Doughboys um eine "Buster Keaton Production" handelt, wird schnell deutlich, dass er selbst nicht viel zur Produktion beisteuern konnte. Er musste sich ins MGM-System einfügen, und dieses sah totale Kontrolle über alle seine Produkte vor. Ein starrer Drehplan sorgte für die Einhaltung des veranschlagten finanziellen und zeitlichen Budgets, vom Drehbuch durfte nicht abgewichen werden, für Improvisationen war kein Platz, keine Zeit, kein Geld. Keaton konnte und wollte so nicht arbeiten, und das merkt man sowohl Free and Easy als auch Doughboys, seinen ersten beiden Tonfilmen, deutlich an. Beide Filme sind schlecht, wirklich schlecht - und es sollten weitere ähnliche Tiefschläge bei MGM folgen, an deren zunehmenden Misserfolgen Keaton schliesslich zerbrach.

Die Warner Archive Collection macht einige der Filme aus Keatons berüchtigter Zeit bei MGM nun wieder zugänglich und man kann die Legende vom tiefen Fall des Komödienkönigs nun endlich aus "erster Hand" überprüfen.
Ich kannte von Keatons Tonfilmschaffen bislang nur die Kurzfilme, die er Ende der 30er-Jahre für Columbia gedreht hatte. Diese sind gar nicht so schlecht, und so fand ich immer, die Chronisten hätten Keatons Tonfilmschaffen schlechter geredet, als es wirklich ist. Seit ich Doughboys und Free and Easy kenne, verstehe ich ihren Standpunkt.

Doughboys beginnt eigentlich vielversprechend, wie ein klassischer Keaton-Film: Elmer Stuyvesant (Keaton), ein weltfremder, reicher Schnösel sucht, um seiner Angebeteten zu imponieren, in einem Stellenbüro nach einer Arbeit. Dummerweise ist das vermeintliche Arbeitsamt ein Rekrutierungsbüro der Armee. Ehe er sich's versieht, steckt Elmer in Uniform und untersteht dem Kommando des cholerischen Sergeant Brophy. Was folgt, ist eine öde, episodenhafte Militärklamotte mit ein paar raren komödiantischen Glanzlichtern, die alle Keaton zu verdanken sind.

Ansonsten wirkt Keatons Figur völlig verloren in diesem lauten, unpassend undifferenzierten Klamauk. Die "Handlung" beschränkt sich auf Liebesmissverständnisse zwischen Elmer und seiner Angebeteten und auf einigen dümmliche Querelen mit dem nervtötenden Sergeant Brophy.

Fazit: Doughboys ist wohl nur gerade für Keaton-Fans interessant - traurig, aber interessant. Ansonsten empfehle ich den Film niemandem (man könnte daraus einen Zusammenschnitt der zwei, drei gelungenen Sequenzen herstellen; den Rest des Films sollte man für immer in den Archiven vergraben und der Vergessenheit überlassen).
4/10

Scans von der DVD:










Zuletzt bearbeitet von Charley_Chase am 24 Sep 2013 11:58, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Dr. Strangelove



Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 1805

BeitragVerfasst am: 24 Sep 2013 08:04    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine schönen Filmtips. Da ist mir wirklich einiges entgangen. Buster Keaton habe ich auch im letzten Jahr so richtig entdeckt und auch erschrocken festgestellt, wie rapide das Niveau seiner Filme durch mangelnde Improvisationsmöglichkeiten danach abgenommen hat. Das einzig Tröstliche daran: am Ende seines Lebens war er doch wieder ein glücklicher Mensch und bekam die Ehrung, die ihm zustand.
_________________
"Un artiste est toujours jeune" Jean-Marie Straub
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2013 11:05    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. Strangelove hat folgendes geschrieben:
Danke für deine schönen Filmtips. Da ist mir wirklich einiges entgangen.

Gerne!
Und schon geht's weiter...



THE LAST FLIGHT
USA 1931
Mit Richard Barthelmess, David Manners, Helen Chandler, Johnny Mack Brown, Elliott Nugent u.a.
Drehbuch: John Monk Saunders
Regie: William Dieterle

Die Sinnlosigkeit und die Leere nach dem ersten Weltkrieg, die Seelenlosigkeit des American Dream nach einer Zeit der Not und des Grauens - der berühmteste Chronist dieser Zeit und dieses Lebens war F. Scott Fitzgerald. The Great Gatsby wurde eben neu verfilmt, Parallelen ins Heute sind unübersehbar.
The Last Flight, ein heute gründlichst vergessener Film, beleuchtet dieselbe Epoche und zeigt denselben "Ennui" der Zwanzigerjahre. Interessanterweise ist das Bindeglied zwischen The Last Flight und The Great Gatsby der Schauspieler/ Regisseur Elliott Nugent. Nugent spielt hier einen Vertreter der sog. "verlorenen Generation", während er in der 1949-er Verfilmung von The Great Gatsby Regie führte.

Geschrieben wurde The Last Flight von John Monk Saunders, einem ehemaligen Piloten im ersten Weltkrieg. Sein berühmtestes Drehbuch verfasste Saunders für Howard Hawks' Film Dawn Patrol, und William Wellmans berühmter Stummfilm Wings basiert auf Saunders Kurzgeschichten.
Regie führte bei unserem "vergessenen Film der Woche" der deutsche Schauspieler und Regisseur Wilhelm Dieterle, The Last Flight war seine erste Regiearbeit für Hollywood.

Der Film ist hervorragend inszeniert - obwohl Dieterle zurückhaltend bleibt, fällt eine hohe Meisterschaft in der Bildsprache und der psychologischen Schauspielerführung auf. Die Isoliertheit der Figuren wird räumlich immer wieder, in verschiedenen Variationen sichtbar gemacht, sie wird zum tragenden Element der Inszenierung. Auch die extrem "künstlichen", fast hölzernen Dialoge zielen auf diese Wirkung ab: Jede Figur scheint mit sich selbst allein zu sein, wie Mantras werden die Namen der Angesprochenen fast in jedem Satz ausgesprochen - ohne dass die Betreffenden im Bild sichtbar sind. Was zunächst irritierend wirkt, unterstreicht die Leere, in der sich sämtliche Protagonisten befinden.

Eine Handlung existiert praktisch nicht. The Last Flight zeigt das ziel- und richtungslose Leben von fünf physisch und psychologisch malträtierten Fliegerkameraden nach dem Ende des ersten Weltkriegs. Ohne Perspektive treibt die Gruppe, lachend und scherzend von einer Bar zur nächsten, von Paris nach Lissabon; der Alkohol scheint ihr Hauptnahrungsmittel zu sein. In einem Lokal gabelt man die wohlhabende Nikki auf, eine weitere "verlorene Seele", welche kurzerhand in den Männerbund aufgenommen wird. Nichts wird von den Freunden ernst genommen, nicht einmal der eigene Tod. Im Gegenteil, im letzten Drittel des Films wird deutlich, dass dieser sogar herbeigesehnt wird. Der Tod Sheps auf dem Rummelplatz wirkt wie eine Metapher auf das Leben, welches die Kameraden führen. Inmitten rauschenden Lebens sterben die fünf einen langsamen seelischen Tod, der von dreien schliesslich aktiv, auf fast absurde Weise vollzogen wird. Die Rummelplatz-Sequenz, in welcher Shep zu quirliger Karussellmusik stirbt, erinnert frappant an Hitchcocks Strangers on A Train. Dort wird eine Protagonistin auf einem Rummelplatz ermordet - den musikalischen Hintergrund dazu bildet eine Karussellorgel. Da The Last Fligt damals in England zu sehen war (im Gegensatz zu Deutschland), fällt die Hypothese der Inspiration Hitchcocks durchaus in den Bereich des Möglichen.

Ein toller Film. Offenbar verschwand er kurz nach der Erstaufführung in den Tiefen der Archive, nicht zuletzt, weil offenbar kaum Werbung dafür gemacht wurde. Dank der Warner Archive Collection, die ihn vor drei Jahren wieder ans Licht brachte, ist er heute zumindest in den USA wieder zu einer gewissen Bekanntheit gekommen.
Anzumerken bleibt, dass es sich hier um die bislang die einzige mir bekannte WAC-Ausgabe handelt, an deren Bildqualität ich etwas zu bemängeln habe - offenbar liess sich von diesem gründlich vergessenen Film keine gut erhaltene Kopie mehr auftreiben.

Drei kurze Anmerkungen noch zu drei am Film Beteiligten:
Helen Chandler, die in diesem Film schlichtweg grossartig ist, kämpfte zeitlebens tatsächlich mit einem schweren Alkoholproblem, das ihrer Filmkarriere 1938 ein Ende setzte. Ihre bekannteste Rolle war die der Mina in Tod Brownings Dracula-Verfilmung.
Auch Richard Barthelmess, ein grosser Star der Stummfilmzeit, drehte nur noch bis 1942. Obwohl er einer jener Stummfilmschauspieler war, die auch im Tonfilm Erfolg hatten, zog er sich vom Filmgeschäft zurück und lebte von seinem beträchtlichen Vermögen.
Drehbuchautor John Monk Saunders beging 1939 Selbstmord.
8/10

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Zuletzt bearbeitet von Charley_Chase am 12 Dez 2013 12:49, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 07 Okt 2013 13:42    Titel: Antworten mit Zitat



THE PHANTOM OF HOLLYWOOD
(dt.: Das Phantom von Hollywood)
USA 1974
Mit Jack Cassidy, Skye Aubrey, Peter Lawford, Broderick Crawford, Jackie Coogan u.a.
Drehbuch: Geogrge Schenck
Regie: Gene Levitt

Das Warner Archive-Würfelspiel macht wirklich Spass! Der aktuelle "Film der Woche" ist wieder eine vom Zufall gewählte Entdeckung - ein vergessener US-Fernsehfilm von 1974, der "on location" gedreht wurde, kurz bevor und während MGMs "Lot 2" dem Erdboden gleichgemacht wurde um Platz für eine Einkaufsmeile zu machen. "Lot 2" war ein Grundstück mit längst nicht mehr genutzten Kulissenlandschaften, die für Filmproduktionen aus MGMs goldener Aera erstellt wurden, ein wahres Filmgeschichte(n)-Museum für Filmfans. The Phantom of Hollywood ist ein Abgesang auf die goldene Aera und das berühmte "Lot 2", dessen Zerstörung mitgefilmt und in die Handlung eingebaut wurde.

Das im Titel erwähnte Phantom von Hollywood ist eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Ruinen von "Lot 2" lebt und sich den Vandalen in den Weg stellt, d.h. jene, die es erwischt, umbringt. Wer sich hinter dessen lederner Maske verbirgt, scheint nur der greise Otto zu wissen, der sein ganzes Leben im Archiv des Filmstudios verbracht hat - doch auch er wird vom Phantom ermordet.
Der Film macht keinen Hehl daraus, dass ihm Gaston Leroux' Phantom der Oper Pate gestanden hat. Hier wie dort wird die Hauptakteuse in die Katakomben unter der Kulissenstadt entführt, hier wie dort entpuppt sich das Phantom eine arme, missgestaltete Figur.

Gene Levitts Film ist weit von einem Meisterwerk entfernt, doch er funktioniert wunderbar als augenzwinkernder Abgesang auf eine vergangene Zeit, als Dokument einer blinden, vorwärtsgerichteten Zerstörungswut - und als spannender Abenteuer- und Kriminalfilm. Die auftretenden gealterten Filmgrössen wie Broderick Crawford (als Polizeichef) oder Jackie Coogan (als hausinterner Filmrestaurator) sind etwas blass, und Jack Cassidys Make-Up ist zu dick aufgetragen - doch alles in allem ist The Phantom of Hollywood solide TV-Unterhaltung und macht wirklich Spass. Ich würde den Film als eine durchaus lohnende Entdeckung bezeichnen, als einen filmhistorisch interessanten Fund.

Jack Cassidy notabene verstarb zwei Jahre nach Fertigstellung dieses Films im Alter von nur 49 Jahren. Sein Name ist heute kaum mehr bekannt, Cassidy war aber in den 50er- und 60er-Jahren ein gefeierter Musical-Star am Broadway. In den späten 50er-Jahren wagte Cassidy den Sprung ins Fernsehen, wo er in vielen erfolgreichen Serien in Haupt- und Nebenrollen mitwirkte. Columbo-Fans oder Kenner der Serie Verliebt in eine Hexe erinnern sich wohl am ehesten an den gutaussehenden Cassidy. In letzterer trat er regelmässig in Gastrollen auf, bei Columbo spielte er drei Mal den Mörder ( u.a. den Zauberer "The Great Santini"). In dem Kinofilm W.C.Fields and Me (Arthur Hiller, 1976) war er als John Barrymore zu sehen, mit dem er tatsächlich eine gewisse Aehnlichkeit hatte. Jack Cassidy kam bei einem Feuer in seinem eigenen Haus 1976 ums Leben.
7/10

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Charley_Chase



Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 41
Wohnort: Möriken, Schweiz

BeitragVerfasst am: 31 Okt 2013 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Endlich wieder ein weiterer Beitrag - war etwas viel los in letzter Zeit "nebenbei"... Wink



NOAH'S ARK
(dt.: Das Drama der Sintflut)
USA 1928
Mit George O'Brien, Dolores Costello, Noah Beery, Paul McAllister, Guinn "Big Boy" Williams, u.a.
Drehbuch: Darryl F. Zanuck und Anthony Coldeway
Regie: Michael Curtiz

Das Herziehen über einen Film, den man so gar nicht mag, über den man sich so richtig geärgert hat, kann etwas Befreiendes haben. Aber auch etwas Beleidigendes.
Leider konnte - wollte? - ich nicht verhindern, dass in diesem Text Ersteres ständig in Zweites übergeht. Ich habe mich über Noah's Ark zwar nicht gerade geärgert, fand den Film aber über weite Strecken richtiggehend lächerlich.

Es handelt sich bei diesem Teil-Tonfilm um religiösen Schwulst übelster Sorte - neben Noah's Ark sieht selbst Cecil B. DeMilles King of Kings aus wie ein nüchternes Biopic. Da werden dramatisch Hände verworfen, Augen und Arme gen Himmel verdreht; Noahs Heiligkeit lässt sich schon von weitem an der Länge seines Rauschebarts erkennen. Seine Söhne laufen im Leopardenfell herum, als wären sie gerade einem Hollywood-Streifen über die Steinzeit entsprungen. Auch die Bösen sind mit dem Zeigefinger böse, die Guten sind so gut, dass man zum Filmbeginn eine Warnung für Diabetiker einblenden müsste.

Zum dick aufgetragenen Pathos kommt eine Geschichte, die wirr und unmotiviert durch die Weltgeschichte springt, bei der Arche anfängt, im ersten Weltkrieg landet und in einer spektakulären letzten halben Stunde schliesslich zur Sintflut schreitet, die wirkt, als gälte es, DeMille als alten Langweiler dastehen zu lassen.

Die Moral, auf die Noah's Ark hinauswill, lautet ungefähr: Zu Noahs Zeit sandte der Herr in seinem Zorn die Flut - uns schickte er den ersten Weltkrieg.
Tatsächlich stellt das von Darryl F. Zanuck mit-verbr... äh, -verfasste Drehbuch allen heiligen Ernstes diesen Bezug her. Sämtliche Personen, die uns im ersten, dem WW1-Teil begegnen, treten danach in biblischen Kostümen im zweiten Teil erneut auf: Die Bösen als Böse, die Guten als Gute.
Und genauso konfus und willkürlich wie die Handlung wirkt der Einsatz des Tons. Was als Stummfilm beginnt, wird sporadisch mit Dialogsequenzen von jeweils zehn Minuten unterbrochen. Wobei "unterbrochen" durchaus treffend ist, denn immer wenn gesprochen wird, tritt die Handlung an Ort, die Kamera erstarrt und der Flachsinn tritt schmerzlich zutage. Aus zeitlicher Distanz wird deutlich, dass da einfach um des Tones Willen geredet wird. Was aus heutiger Sicht wirkt wie eine Demonstration der Vorzüge des Stummfilms galt damals als Sensation - ungeachtet des (fehlenden) Inhalts.

Noah's Ark mag für Filminteressierte durchaus von historischem Wert sein; darüberhinaus bekommt er von mir einen Spitzenplatz in der "Liste der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe". Kaum zu glauben, dass er mit George O'Brien besetzt ist, der auch im "besten Film, den ich je gesehen habe", nämlich in Murnaus Sunrise die Hauptrolle innehatte - ein Jahr vor Entstehung dieses Machwerks.
Und ebenso kaum zu glauben, dass hier der spätere Regisseur von Casablanca am Werk war.
3/10

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